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Biobanken als Sammlungen von DNA, Zellen, Plasma, Serum, Urin, Stuhl und weiteren Geweben sind ein zentraler Ausgangspunkt für die Identifizierung und Entwicklung neuer Therapien. Sie ermöglichen mehr denn je den Fortschritt in der Medizin. Die Forschung konzentriert sich dabei auf die Entdeckung und Validierung von Biomarkern sowie auf die Erweiterung der Anwendbarkeit bestehender Therapien auf neue Felder. Die Forschung an Biomarkern ist derzeit eine der besten Strategien, um in Zukunft Krankheiten biomolekular zu klassifizieren und daran Therapiestrategien auszurichten.

Bild: Biomarker BRCA

Der Begriff Biomarker ist weit definiert und reicht von genetischen über biochemische bis hin zu immunologischen Markern. Biomarker sind objektiv messbare Merkmale, die Hinweise auf gesunde oder pathologische Funktionen geben. Prädiktive oder prognostische Marker versetzen Behandler in die Lage, diejenigen Patienten zu identifizieren, bei denen es mit einer höheren Probabilität zu einem Therapieversagen oder -ansprechen kommt oder liefern Hinweise auf Nebenwirkungen und Resistenzen. Der Nachweis des Biomarkers erfolgt mit einem sogenannten Companion- Diagnostik-Test.

Erkenntnisse aus Biobanken zur Prävalenz eines Markers sind aus einer Reihen von Gründen wichtig. So ermöglichen sie in der präklinischen Phase eine Antwort auf die Frage, ob eine Übertragbarkeit in die klinische Routine überhaupt hilfreich und wahrscheinlich ist. Auf Basis der Prävalenz lassen sich auch klinische Versuche besser stratifizieren und zwar sowohl in den Probanden- als auch in den Vergleichsgruppen. Für die Partizipation an klinischen Versuchen können so die Patienten selektiert werden, welche auf Basis ihres Markerprofils auch tatsächlich eine Chance haben, von der neuen Therapie zu profitieren. Dies verbessert insgesamt die Beurteilung der Tauglichkeit für therapeutische Interventionen. Klinische Biobanken, die auch weitergehende Daten aus der Routine aufbereiten, ermöglichen nicht nur weitere Einsichten durch die Korrelation mit diesen Merkmalen, sondern auch eine bessere Beurteilung der Prognosequalität des Markers.

Die Tauglichkeit der therapeutischen Anwendung eines Biomarkers beruht auch auf der Validität von longitudinalen Informationen zur seiner Stabilität und Dynamik über Stadien der Erkrankung hinweg. Da die Behandlung einer Erkrankung nicht immer nur in einem Sektor erfolgt, gewinnen Informationen vor und nach der akutklinischen Phase immer mehr an Bedeutung. Daher bedarf es zunehmend der longitudinalen Beprobung und Begleitung von Patienten, um Änderungen des Biomarkers (zum Beispiel Expression oder Mutationsstatus) erfassen zu können.

Bild: Stilisierte Kohorte

Vor diesem Hintergrund wird klar, wie wichtig es ist, dass alle Therapien erfasst werden, die ein Patient erhalten hat. Nur so lässt sich die Dynamik eines Biomarkers mit allen therapeutischen Interventionen korrelieren. Neben der Perspektive der Entdeckung von Biomarkern spielt die longitudinale Beprobung auch aus pharmakogenetischen Überlegungen heraus eine wichtige Rolle. Bekanntermaßen untersucht die Pharmakogenetik Unterschiede bei Wirksamkeit und Nebenwirkungen eines Arzneimittels. Da sich auch hier im Zeitablauf Veränderungen ergeben können, rückt die Zeit nach einer akutklinischen Intervention zunehmen in den Fokus der Forschung.

Die Kombination von Biomarkerdaten mit prä-, post- und akut-klinischen Informationen ist der beste Ansatz für die heutige Erforschung neuer Therapien. Allerdings gibt es gravierende Probleme dabei, diese Informationen auch umfassend zu erhalten und aufzuarbeiten. Hierfür gilt es, sektorübergreifend zahlreiche Adressen zusammenzubringen: niedergelassene Ärzte mehrerer Disziplinen (Hausarzt, Fachärzte), Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Pathologen, Radiologen usw. Weltweit zeichnen sich Gesundheitssysteme durch eine hohe Komplexität aus.

Neben der sektoralen Trennung ist auch die räumliche Verteilung der Leistungserbringung eine Hürde. Daher bietet es sich oftmals an, dass eine große Klinikkette als Träger mehrerer Einrichtungen die Aufgabe des Aggregierens, Bereitstellens und Bearbeitens der medizinischen Informationen im Zusammenspiel mit den anderen Erbringern medizinischer Leistungen übernimmt. Denn neben der räumlichen Verteilung vermag es auch eher eine Klinikkette, Fallzahlen in einer Größenordnung zu sehen, die mittlerweile in der Biomarkerforschung notwendig werden.

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Rudi Schmidt

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